Augsburger Religionsfriede

 

Bei seinem Melchior KÜSEL: Augsburger Religionsfriede zwischen Lutheranern und Katholiken (Friedensgemälde, 1655). Kupferstich auf Flugblatt zum 100jährigen Jubiläum, Staats- und Stadtbibliothek Augsburg.Abschluss am 25. September 1555 noch als Übergangsregelung bis zur endgültigen Wiedervereinigung der gespaltenen „Universalkirche“ gedacht, bildete der Augsburger Religionsfriede bis zum Beginn des Dreißigjährigen Krieges die Rechtsgrundlage für das friedliche Zusammenleben der katholischen und lutherischen Reichsstände (sämtliche übrigen, nicht-lutherisch, reformierten Reichstände wurden von den Bestimmungen des Vertrages ausgeschlossen). Nötig geworden war diese Regelung nach der Erfahrung der 1530er und 1540er Jahre, dass sich die angestrebte Widervereinigung mit Waffengewalt oder durch Disputationen auf Konzilen zunächst nicht erzwingen ließ. Außerdem weist der Augsburger Religionsfriede Kennzeichen der 1495 von Kaiser Maximilian angestoßenen Reichsreform auf, welche er schließlich zu Ende führt.

Grundlage der Bestimmungen des Augsburger Religionsfriedens war eine gegenseitige Anerkennung der katholischen und lutherischen Reichsstände. Diese konnte zu Stande kommen, indem Bestimmungen des kanonischen Rechtes (also des katholischen Kirchenrechtes) im Augsburger Religionsfrieden außer Kraft gesetzt wurden. Die lutherischen Reichsstände veränderten dadurch ihren Rechtsstatus und wurden nun nicht mehr als Ketzer angesehen. Konfessionelle Streitigkeiten wurden außerdem fortan nicht mehr durch Kirchengerichte, sondern durch das weltliche Reichskammergericht verhandelt, dem nun auch protestantische Reichsstände angehörten. Diese Maßnahme sollte, zusammen mit der Ausweitung der 1495 von Maximilian beschlossenen Landfrieden (Verbot der Fehden) auf konfessionelle Streitigkeiten, eine militärische Eskalation von solchen Konflikten verhindern.

Das Recht zur Wahl der Konfession wurde im Augsburger Religionsfrieden den Landesherren zugesprochen (ius reformandi). Den Untertanen blieb noch das Recht zur Emigration (ius emigrandi), sollten sie eine andere Konfession haben als ihr Landesherr. Diese Bestimmung wurde in der Rezeption des Augsburger Religionsfriedens im 17. Jahrhundert „cuius regio, eius religio“ getauft. König Ferdinand, der die Verhandlungen in Augsburg in Vertretung seines Bruder Kaiser Karls V. leitete, setzte dieser Bestimmung jedoch den sogenannten „geistlichen Vorbehalt“ (reservatum ecclesiasticum) hinzu, der bestimmte, dass ein geistlicher katholischer Landesherren bei Konfessionswechsel seine weltliche Macht zugunsten eines neuen, katholischen Landesherren verlieren sollte. Nicht im offiziellen Reichstagsabschied enthalten war die Declaratio Ferdinandea, die protestantischen Rittern und Städten auf dem Gebiet geistlicher Landesherren die freie Religionsausübung garantierte. Diese Erklärung sollte auch in den folgenden Jahren immer wieder für Konflikte sorgen.

Mit dem Reichstagsabschied vom 25. September 1555 wurde der Augsburger Religionsfriede geltende Rechtsgrundlage für konfessionelle Streitigkeiten. Die vielen bewusst offen gelassenen Regelungslücken sorgten zwar einerseits immer wieder für Konfliktpotential, bildeten andererseits aber auch eine fruchtbare Diskussionsgrundlage für die zahlreichen jungen juristischen Fakultäten. Ob der Augsburger Religionsfriede tatsächlich als ein Dokument der Religionsfreiheit gesehen werden kann, ist bis heute umstritten.



Quellen

 Ferdinand II, Römisch duetscher Kaiser:Abschiedt Der Römischen Königlichen Maiestat, vnd gemeiner Stendt, auff dem Reichßtag zu Augspurg, Anno Domini M.D.L.V. auffgericht. Meyntz 1555.

       VD16 R801



Literatur

GOTTHARD, Axel: Der Augsburger Religionsfrieden. Münster 2004.

verfügbar UB Paderborn    

   
GRAF, Gerhard; WARTENBERG, Günther; WINTER, Christian: Der Augsburger Religionsfrieden. Seine Rezeption in den Territorien des Reiches. Leipzig 2006.

verfügbar UB Paderborn

   

HOFFMANN, Carl A.; JOHANNS, Markus; KARNZ, Annette et al. (Hgg.): Als Frieden möglich war. 450 Jahre Augsburger Religionsfrieden. Begleitband zur Ausstellung im Maximilianmuseum Augsburg. Regensburg 2005.

verfügbar UB Paderborn
   

SCHILLING, Heinz und SMOLINSKY, Heribert (Hgg.): Der Augsburger Religionsfrieden 1555. Wissenschaftliches Symposium aus Anlaß des 450. Jahrestages des Friedenschlusses, Augsburg 21. bis 25. September 2005. Münster 2007.

verfügbar UB Paderborn

Zitation:

WESSEL, Katrin: Augsburger Religionsfriede. in: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht  (Stand12.11.2012), online unter: <<http://www.paderquellen.de/texte/augsburger-religionsfriede/>http://www.paderquellen.de/texte/augsburger-religionsfriede/>.