SCHELLENBERG, Johann Rudolf (1784): Das Abendmahl der Reformirten und der Lutheraner (Kupferstich, 48 x 87 mm).  Sowohl die Calvinistische, als auch die nach Luther reformierte Kirche sind als Bekenntniskirche zu bezeichnen.

Bekenntniskirche

Eine Bekenntniskirche ist eine christliche Kirche, die sich durch ein Glaubensbekenntnis definiert, das von anderen christlichen Bekenntnissen abweicht. Insofern sind Bekenntniskirchen Ausdruck einer auf Dauer gestellten Glaubensspaltung. Der Quellenbegriff lautet „Konfession“ (von latein. confessio: ‘Eingeständnis’, ‘Beichte’, ‘Bekenntnis’). Er kam mit dem Augsburger Reichstag von 1530 auf; der Augsburger Religionsfrieden von 1555 verlieh der katholischen und der lutherischen Glaubensgemeinschaft die politische und rechtliche Anerkennung im Reich. Die calvinistische erhielt sie erst 1648 im Westfälischen Frieden; anderen Glaubensgemeinschaften wie den Täufern blieb sie dauerhaft versagt.

Durch die Entstehung von Bekenntniskirchen (s. „Konfessionalisierung“) veränderte das Christentum sich qualitativ. Die Kirchen wurden durch die Spaltung gezwungen, die jeweils eigene Glaubensüberzeugung trennscharf festzuschreiben. Sie mussten Bekenntnisschriften formulieren und ihr Personal wie auch die Gläubigen darauf verpflichten. Um die stets gefährdete Glaubenseinheit zu bewahren, mussten sie eine Kirchenzucht ausbilden. Um sich nach außen gegen konkurrierende Bekenntniskirchen, nach innen gegen Abweichler zu behaupten, mussten sie ein enges Bündnis mit der Zwangsgewalt der weltlichen Gewalten eingehen. Nur wenn alle drei Ziele erreicht wurden (Bekenntnisschriften, Kirchenzucht, politische Protektion), spricht man von „Konfession“, sonst von „Sekten“ oder „Freikirchen“.

Für den einzelnen Gläubigen hatte dies zur Folge, sich für die eine oder andere Seite entscheiden und dies vor anderen, öffentlich, verbindlich kundtun zu müssen — die Entstehung von Bekenntniskirchen führte zum Bekenntniszwang. Ziel der Bekenntniskirchen war, dass die Gläubigen das Bekenntnis verinnerlichten und zu ihrer eigenen Sache machten. Dadurch wurde der Glaube in vorher ungekanntem Maße personalisiert. Das Christentum verwandelte sich in eine Gewissensreligion. Allerdings gab es von Anfang an auch Gruppen, die sich der erzwungenen Parteinahme widersetzten und zu einer Unterscheidung zwischen äußerer Konformität und innerer Freigeistigkeit gelangten.


Literatur

Klein, Aloys: Art. „Bekenntniskirche“. In: Lexikon für Theologie und Kirche Bd. 2. 3. Aufl. Freiburg 1993-2001, Sp.179.

verfügbar UB Paderborn

Zitation:

MEHLICH, Michaela: Bekenntniskirche. In: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht  (Stand 12.11.2012), online unter: <<http://www.paderquellen.de/texte/bekenntniskirche/>http://www.paderquellen.de/texte/bekenntniskirche/>.