Der Westfälische Friede

 

Gerard TER BORCH (1648): Friede von Münster 1648 (Öl auf Kupfer, 45, 4 cm × 58,7 cm, Standort: Rijksmuseum Amsterdam)

Das Vertragswerk des westfälischen Friedens (Instrumentum Pacis Westphalicae) wurde am 24.10.1648 in einem feierlichen Akt sowohl von den Repräsentanten der Könige von Schweden und Frankreich, als auch von Gesandten des Kaisers und einer Auswahl der Reichsstände unterzeichnet. Es beendete die seit 1645 in Osnabrück (wo die protestantischen Reichsstände und Schweden gastierten) und Münster (dem Aufenthalts- und Verhandlungsort der katholischen Reichsstände, des Kaisers, der Spanier und Franzosen) geführten Friedensverhandlungen und somit auch den Dreißigjährigen Krieg.

Die geschlossenen Verträge (Das Intrumentum Pacis Osnaburgiensis, IPO und das Instrumentum Pacis Monasteriensis, IPM) beinhaltet zahlrieche Bestimmungen, die sowohl die politische Landschaft Europas, als auch die Verfassungslage im Reich verändern und bis heute entscheidend prägen.

Auf Reichsebene kann beispielsweise schon die Einladung der Reichsstände zum Firedenskongress als Schwächung des Kaisers und als Stärkung ständischer Gewalt verstanden werden, die sich dann im Vertragswerk in der Aufwertung der Stände im Reichstag und im ius bellum ac pacis, also dem Recht auf eine eigenständige Außen- und Bündnispolitik, niederschlagen. Mit dem Westfälischen Frieden kann der Kaiser keine politische Entscheidung mehr ohne Zustimmung der Reichsstände treffen. Somit ist das habsburgerische Streben nach einem kaiserlichen Absolutismus blockiert.

Zahlreiche konfessionelle Bestimmungen schreiben die Multikonfessionalität im Reich für die Zukunft fest. Die calvinistische Konfession wird fortan, im Gegensatz zum Augsburger Religionsfireden, ausdrücklich in alle Friendsvertäge eingeschlossen. Somit werden die drei größten im Reich vorherrschenden Konfessionen formell gleichberechtigt. Zudem wird das Reichskammerngericht paritätisch mit Vertretern protestantischer und katholischer Konfession besetzt, sodass fortan nicht mehr ein mehrheitlich katholisches Gericht über die gemischt-konfessionelle Bevölkerung des Reiches urteilt. Auch im Reichstag beugt man der Dominanz einer Konfession über die andere vor: In Religionsangelegenheiten wird nun getrennt verhandelt und sollten Katholiken und Protestanten unterschiedlicher Meinung sein, so kann eine Konfession die andere nicht überstimmen. In einem solchen Fall gilt der Zwang eine einvernemliche Lösung zu finden (amicabilis compositio). Der geistliche Vorbehalt bleibt bestehen, während für die Festschreibung der Religionszugehörigkeit umstrittener Territorien und die Säkularisierung geistlicher Besitztümer eine Normaljahrregelung gefunden wird. Im Vertragswerk ist der 01.01.1624 festgeschrieben, ein Termin welcher nach den Eroberungen der Truppen der katholischen Liga und vor dem Eingriff Schwedens in den Krieg liegt. In den Territorien selbst ist der Wechsel der Konfession durch Privatpersonen und die private Ausübung einer Konfession, die nicht der nominalen Konfession des Gebiets entspricht, nun erlaubt.

Das Vertragswerk schreibt außerdem fest, welche Gebiete als Kriegsentschädigung an Frankriech und Schweden abgegeben werden sollen. So wird mit dem Westfälischen das Elsass Teil des französischen Königreiches und scheidet aus dem Heiligen Römischen Reich aus. Schweden hingegen enthält neben Vorpommern zahlreiche weitere Gebiete im Norden des Reiches als Lehen und wird somit zum Reichsstand. Die Schweiz und die Niederlande werden de facto unabhängige, souveräne Gebiete.

Die Bewertung des Westfälischen Friedens unterliegt so starken Schwankungen wie die Bewertung kaum eines anderen Vertragswerkes. Von den Zeitgenossen weithin als das langersehnte Ende eines grausamen Krieges gefeiert und in der Kunst verewigt, wurde er im Deutschen Reich des 19. Jahrhunderts als Ausdruck deutscher Zersplitterung und Schwäche kritisiert. Nach dem Versailler Vertrag interpretierte man den Westfälischen Frieden als Resultat französischer EInflussnahme auf die deutsche Politik.

Heute wird der Westfälische Friede als bedeutender Schritt zur Staatsbildung anerkannt. Grundlage des Westfälischen Friedens ist die gegenseitige Anerkennung anderer Herrschaften als "souverän" (also selbstständig), auch wenn diese deutlich schwächer waren oder eine andere Konfession besaßen. Damit treten die Einzelmächte nun auch offiziell aus dem Christenheitseuropa heruas und bestimmen ihr Verhältnis als Mächtesystem. Es beginnt das große Zeitalter der Diplomatie. Auch nach innen leitet die festgeschriebene Duldung des konfessionellen Miteinanders eine Emanzipation der Politik von der Religion ein.


Literatur

BOSBACH, Franz und Christoph KAMPMANN [Hgg]: Dreißigjähriger Krieg und Westfälischer Friede. Studien und Quellen (=Rechts- und Staatswissenschaftliche Veröffentlichungen der Görres-Gesellschaft, Neue Folge, Bd. 81). 2. Aufl. Paderborn, München, Wien, Zürich 1999.  verfügbar UB Paderborn
   
BURKHARDT, Johannes: Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648. Frankfurt a.M. 1992. verfügbar UB Paderborn
   
DICKMANN, Fritz: Der Westfälische Frieden. 6. Aufl. Münster 1992.  verfügbar UB Paderborn
   
HECKEL, Martin: Deutschland im konfessionellen Zeitalter. Göttingen 2001.
verfügbar UB Paderborn

Zitation:

WESSEL, Katrin: Der Westfälische Friede. In: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht (Stand 07.04.2014), online unter: <<https://www.paderquellen.de/index.php?id=312>https://www.paderquellen.de/index.php?id=312/>.