Höfischer Absolutismus

Adam Frans VAN DER MEULEN: Bau des Schlosses Versailles (1669) (Öl auf Leinwand, 138,5 cm x 103 cm).Der höfische Absolutismus stellt nach W. Roscher die zweite Entwicklungsstufe des Absolutismus vor dem --> aufgeklärten Absolutismus und nach dem --> konfessionellen Absolutimus dar. Im höfischen Absolutismus werden die entmachteten Protagonisten der feudalen Aristokratie in ein strenges höfisches Zeremoniel eingebunden, das insofernen einen Zweck erfüllt, als dass es zum einen diesen vormaligen Herrschaftsträgern neue Aufgaben gibt (zumeist in Form von Ämtern) und sie in die Abhängigkeit von königlicher Gunst zwingt, zum anderen die Macht des Königs aber auch wieder beschränkt, denn auch er ist an das Zeremoniel gebunden und kann somit nicht vollkommen absolut agieren. Darüber hinaus dient der Hof als Bühne oder Schaufenster, das heißt als ein Medium, das seinen eigenen Mitgliedern, ausländischen Gesandten, Besuchern und der Bevölkerung auf sinnlich-anschauliche Weise Rangverhältnisse, Status und das eigene Herschaftsverheltnis vermittelt. Die horrenden Mittel, die für die Hofhaltung nötig sind, werden durch den Verkauf von Ämtern, Privilegien und Monopolen aufgebracht, was jedoch zur weiteren Einschränkung des absoluten Herrschers führt, denn für diesen ist eine gut funktionierende Administration von hoher Bedeutung.

Der Hof selbst liegt zumeist außerhalb der vromaligen Herrschaftszentren, ist von dort aus jedoch in kurzer Zeit zu erreichen (Versailles bei Paris, Westminster bei London, etc.). Diese räumliche Ausgliederung dient dem Schutz des absoluten Monarchen vor Rebellionen, spiegelt aber auch das Selbstversctändnis der absoluten Monarchie wieder: Die Königsfamilie ist nicht länger Teil der Stände und der König herrscht nicht wie in einer Wahlmonarchie als "Primus inter Pares", sondern steht allen anderen "absolut" (d.h. losgelöst) gegenüber. Der berühmteste Vertreter des höfischen Absolutismus war Ludwig XIV. von Frankreich ("Sonnenkönig", reg. 1643-1715).


Quellen

ROSCHER, Wilhelm: Umrisse zur Naturlehre der drei Staatsformen. In: Allgemeine Zeit-schrift für Geschichte 7 (1847),
S. 79–88, S. 322–365, S. 436–473, S. 329 (1848), S. 1285–1326, S. 1381–1414 (1847), S. 450–452.

Quelle
Google Books

Zitation:

WESSEL, Katrin: Aufgeklärter Absolutismus. In: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht  (Stand 08.04.14), online unter: <<https://www.paderquellen.de/index.php?id=313>https://www.paderquellen.de/index.php?id=313>.