Restitutionsedikt

Beim Restitutionsedikt handelt es sich um einen Erlass Ferdinands II aus dem Jahre 1629. Ziel des Erlasses ist es, eine verbindliche katholische Interpretation des (--> Augsburger Religionsfriedens) aus dem Jahre 1555 durchzusetzen. Im Einzelnen  enthält das Restitutionsedikt folgende Bestimmungen.

Titelemblem des Restitutionsediktes (1629)Zunächst wird im Restitutionsedikt über das reichsmittelbare Kirchengut bestimmt. Reichsmittelbar sind Güter, die im Gegensatz zu reichsunmittelbaren Gütern nicht direkt dem Kaiser, sondern einem Landesherren gehören. Laut dem Augsburger Religionsfrieden durfte nach 1552 kein mittelbares Kirchengut mehr säkularisiert, also der Kirche genommen und in weltlichen Besitz gebracht werden. Allerdings war die Bestimmung im Augsburger Religionsfrieden derart vage formuliert, dass auch nach 1555 viele Klöster und Stifte in protestantische Hand gerieten und in evangelische Kirchen oder Schulen umgewandelt wurden. Das Restitutionsedikt legt dagegen fest, dass alle nach 1552 säkularisierten Kirchengüter rekatholisiert werden müssen.

Zudem betont das Restitutionsedikt die Gültigkeit des „geistlichen Vorbehaltes“, einer Klausel, welche besagte, dass kirchliche Landesherren beim Wechsel zum Protestanitimus ihre Weltliche Macht verloren. Dadurch sollte sichergestellt werden, dass sowohl im Kurfürstenkolleg als auch unter den Fürsten die Katholiken auf den Reichstagen immer die Mehrheit behielten.  Davon hing u.a. ab, ob weiterhin katholische Kaiser gewählt werden würden. Alle Kirchenherrschaften, die nach dem Augsburger Religionsfrieden protestantisch geworden waren, sollten „restituiert“, d.h. an Katholiken zurückgegeben werden. Das betraf strategisch wichtige Gebiete wie die Erzbistümer Bremen und Magdeburg sowie die Fürstbistümer Halberstadt, Minden, Verden und einige Reichsabteien. Wäre dies durchgesetzt worden, hätten sich die Konfessionsverhältnisse in ganz Norddeutschland umgekehrt.

Des Weitern schränkt das Restitutionsedikt die Rechte andersgläubiger Untertanen ein. Schon im Augsburger Religionsfrieden galt ein Grundsatz der von Juristen später mit „cuius regio, eius religio“ umschrieben wurde. Danach entschieden die Reichstände über die Konfession ihrer Untertanen. Den Andersgläubigen stand lediglich frei, in ein anderes Gebiet zu ziehen. Nach dem Restitutionsedikt sollte nun der Landesherr das Recht bekommen, andersgläubige Untertanen aus seinem Gebiet auszuweisen. Außerdem wird im Edikt die Echtheit der „Declaratio Ferdinandea“ angezweifelt, einer Erklärung Ferdinands I zum Augsburger Religionsfrieden, die den protestantischen Untertanen katholischer Fürsten  zwar keine freie Religionsausübung, aber Glaubensfreiheit zusicherte. Zuletzt bekräftigt das Restitutionsedikt noch einmal, dass der Religionsfrieden nur ein Frieden zwischen Lutheranern und Katholiken ist. Den Anhängern des aufstrebenden Calvinismus drohte somit weiterhin die Reichsacht.

Kaiser Ferdinand II konnte nur deshalb eine derart anti-protestantische Auslegung des Augsburger Religionsfriedens wagen, weil er sich 1629 auf dem Scheitelpunkt seiner Macht befand. Die kaiserlichen Truppen unter Wallenstein hatten soeben die ungarischen und dänischen Heere geschlagen und die Herrscher zu Friedensverträgen gezwungen. Die protestantischen Reichsstände waren durch den Verlust mehrerer Bündnispartner geschwächt. Allerdings rief das Restitutionsedikt auch bei den katholischen Reichständen Abwehr hervor, denn Ferdinand hatte es ohne Anrufung des Reichstages beschlossen und somit den ersten Schritt zu einem konfessionellen Absolutismus des Kaisers im Reich getan. Auch die katholischen Reichsstände fürchteten nun die Entmachtung und schlossen sich daher der protestantischen Opposition an. Was als Machtübernahme des Kaisers gedacht war, verkehrte sich ins Gegenteil: Ferdinand II schuf sich durch das Restitutionsedikt mächtige Gegner in allen konfessionellen Lager, d.h. er provozierte die Entstehung einer konfessionsübergreifenden ständischen Opposition.


Literatur

SCHORMANN, Gerhard: Dreißigjähriger Krieg 1618-1648, in: Lanzinner, Maximilian/Reinhard,
Wolfgang/Gebhardt, Bruno/Häfele, Rolf (Hrsg.), Konfessionelles Zeitalter. 1555 - 1618. (Handbuch der deutschen Geschichte, 10) Stuttgart 2004, 205–320.
verfügbar UB Paderborn
   

STRÖLE-BÜHLER, Heike: Das Restitutionsedikt von 1629 im Spannungsfeld zwischen Augsburger Religionsfrieden 1555 und dem Westfälischen Frieden 1648. (Theorie und Forschung, 159.) Regensburg 1991

verfügbar UB Paderborn


Quellen

Ferdinand II, Römisch duetscher Kaiser: Restitutionsedikt: Abtruck/ Einer Käyserlichen Declaration. So Ihre Käyserl: May: wegen deß Geistlichen vorbehalts/ beym ReligionsFrieden/ unnd daher rührenden restitution, der Geistlichen Gueter herauß kommen lassen/ auch nachzutrucken anbefohlen. Rostock 1629.

  Quelle: VD 17.

Zitation:

WESSEL, Katrin: Restitutionsedikt. In: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht (Stand12.11.2012), online unter: <<http://www.paderquellen.de/texte/restitutionsedikt/>http://www.paderquellen.de/texte/restitutionsedikt/>.