Vanitas

 

Das Wort kommt aus dem Lateinischen und bedeutet ‘Eitelkeit’, ‘Nichtigkeit’, ‘leerer Schein’, ‘Lüge’, ‘Vergeblichkeit’, ‘Dummheit’. Seine Verbreitung beruht auf einer bekannten Bibelstelle: „vanitas vanitatum dixit Ecclesiastes vanitas vanitatum omnia vanitas“ (Ecc 1, 2), deutsch in der Übersetzung durch Luther: „Es ist alles ganz eitel, sprach der Prediger, es ist alles ganz eitel.“ (Pred 1, 2). Gemeint war alles Irdische und Vergängliche im Gegensatz zu dem, was ewig währt – für gläubige Christen Gott, das Jenseits, die Seele. Seinem Ursprung nach ist das Wort also in einen Dualismus von Diesseits und Jenseits eingespannt. Die Klage über die Vergänglichkeit alles Irdischen sollte dazu ermahnen, nur das Ewige wichtig zu nehmen.

Im Dreißigjährigen Krieg erfuhr die Vanitas einen großen Verbreitungsschub. Sie entwickelte sich zu einem zentralen Thema der Literatur und Kunst des 17. Jahrhunderts (z.B. in der Lyrik und in der Stilleben-Malerei). Zugleich änderte sich ihre Bedeutung. Zahlreiche Autoren und Künstler radikalisierten das Motiv, indem sie den Verweis auf das Jenseits wegließen. Aus einer Erinnerung an Transzendenz wurde durch bloßes Schweigen verzweifelte Innerweltlichkeit. Denn ohne Aussicht auf Ewigkeit bleibt gegenüber der irdischen Vergänglichkeit kein Trost mehr übrig.


Quellen

GRYPHIUS, Andreas: Es ist alles eitel (1637).

Quelle:                      Spiegel Online / Projekt Gutenberg

 

 

GRYPHIUS, Andreas: Menschliche Elende (1658).

Quelle:                     Spiegel Online / Projekt Gutenberg



Literatur

FRIEDRICH, Verena: Art. „Vanitas“. In: Lexikon für Theologie und Kirche Bd. 10. 3.Aufl. Freiburg 1993-2001, Sp. 535.

verfügbar UB Paderborn

 

 

INGEN,  Ferdinand van: Vanitas und Memento mori in der deutschen Barocklyrik. Groningen 1966.

verfügbar UB Paderborn   
verfügbar Jstor


Zitation:

MEHLICH, Michaela: Vanitas. In: PaderQuellen – Paderborner Forum Geschichtsunterricht  (Stand12.11.2012), online unter: <<http://www.paderquellen.de/texte/vanitas/>http://www.paderquellen.de/texte/vanitas/>.